Der Slogan “Mutti, bleib mal zu Hause ist typisch deutsch - Claudia Sonntag will Frauen im Berufsleben motivieren.

NIDDATAL- 29.Dezember- Kreativ an Werk, um den Realitätserfahrungen zu trotzen: Mit viel Energie hat Claudia Sonntag ein Buch über die Rückkehr von Frauen und den Einstieg ins Berufsleben geschrieben. »Managementposition ~ Mutter mit Kind bevorzugt« spricht Hinder-nisse und Diskri­minierungen an und sucht Wege und Bei­spiele für weibliches Durchsetzungs-vermögen auf dem deutschen Arbeitsmarkt.

Die Wiederaufnahme eines Berufs nach der Familienphase und nach jener Zeit, die sie ausschließlich mit der Erziehung ihrer Kinder verbracht haben, kommt die für meisten Mütter in Deutschland einem harten, manchmal kaum zu erreichenden Kampziel gleich. Die ehemalige Zahnarzthelferin und heutige Werbetexterin Claudia Sonntag aus Niddatal-Assenheim. hat ihre frustrierenden Erfahrungen in einem Buch verarbeitet. Die 1967 geborene zweifache Mutter von kleinen Kindern versuchte vor einigen Jahren in der städtischen Werbe­branche rund um Köln Fuß zu fassen: “Absagen und kühle Reaktionen, auch Härte und Häme schlugen mir richtig ins Gesicht” fasst sie das Ergebnis ihrer damaligen Bemü­hungen rückblickend zu-sammen. Im häusli­chen und neuerdings auch beruflichen Um­feld in Assenheim hat sie darüber einen Text geschrieben, der von dem Gegenteil dessen spricht, was ihr widerfahren ist: Mut zum be­ruflichen Engagement, zur Karriere, zum Konfliktpotenzial am Arbeitsmarkt und ei­ne Menge Humor legt sie dem weiblichen Le­seklientel ans Herz.

“Disziplin, Durchhaltevermögen, Belast­barkeit, Organisationstalent, das sind doch Stärken, die Frauen mitbringen. Und in an­deren europäischen Ländern wie Frank­reich ist die Berufsarbeit von Frauen viel selbstverständlicher«, sagt Claudia Sonntag.
   Deswegen sollten sie ihrer Meinung nach auch nicht gleich aufgeben, auch wenn ihnen angesichts der hohen Arbeitslosigkeit und der gesellschaftlichen Umbrüche ver­stärkt kalter Wind entgegenbläst.

Der Jammerhaltung nach dem Motto “ich lasse es lieber gleich” will das zehn Kapitel umfass-ende Buch, zu dem Interessenten im Internet unter www.flexon-buch.de In­formationen finden, begegnen. Auch als po­tenzielle Ansprechpartnerin versteht sich die Autorin, die ihren Geschlechtsgenossinnen nahe legt, dass “Entschlossenheit und Disziplin die Wegefährten des Erfolgs” sei­en und Wille und Glaube an sich selbst im Sinne eines “Geht nicht – gibt's nicht” Frau­en im Konkurrenzkampf helfe.

Eine vernünftige Rückendeckung in der eigenen Familie ist sehr wichtig, damit eine Frau überlegen kann: ”Wo sind die Bereiche, die ich suche, wohin passe ich?” Sonntag, die neben Schwangerschaft und Geburt ein Fernstudium, absolviert hat, spricht hier aus Erfahrung: “Oft sind doch Frauen immer noch mit der traditionellen Mutterrolle oder typisch weiblichen Berufen identifiziert auch wenn sie eigentlich einmal et­ was anderes erstreben möchten. Meine Ge-schwister und ich haben auch einen solchen Selbstfindungsprozess durchlaufen”

Der Schreibstil ist salopp, Ratschläge finden sich in jedem Kapitel ob es sich um Themen wie Kleiderordnung, Fachkompetenz­gerangel oder betriebswirtschaftliche Prinzipien handelt. Allerdings liest sich das 2003 erschienene, im Selbstverlag, realisierte Buch “Management-position” wie ein erster, Appetit anregender Informationsträger. Viele Beispiele streifen Probleme nur. Direkte Hinweise à la “Machen Sie es so und so und nicht anders” wirken mitunter moralisie­rend. Manch gelungener Witz ergibt noch keine detaillierte Analyse der Stellung der Frau in der globalisierten Gesellschaft. Ein Mut-Macher “für Mütter als still gewähltes Oberhaupt der Familie, die vom “privaten Topunternehmen” ins berufliche Fach wechseln möchten, ist das Buch in jedem Fall.

               zurück                                                                   erschienen in der
Frankfurter Rundschau vom 30.12.2003